AT KUNST 16 ZÜRICH WITH DENSTGEBÄUDE

 

Valentina Pini absolvierte nach ihrem Studium an der Akademie der bildenden Künste Wien und an der HEAD Genf einen Masterstudiengang in Skulptur an der Royal College of Arts in London.

Wird mit dem Begriff Skulptur traditionellerweise die Vorstellung einer aus festen Materialien gefertigten, dauerhaften Form verbunden, beschäftigt sich die Tessiner Künstlerin bemerkenswerterweise gerade mit dem Gegenteil – mit der volatilen Form. Der Begriff der Skulptur erfährt bei Pini ferner eine Erweiterung, da oft physikalische Kräfte an der Gestaltung ihrer Arbeiten mitwirken: In Apnea #2 (2015) hält eine selbstkreierte Vorrichtung die Glasplatte in einem prekären Gleichgewicht und das orangefarbene Stück Plastik klebt nur aufgrund der elektrostatischen Aufladung am Glas.

In ihrem Kochstudio wie sie es nennt, experimentiert Pini mit verschiedenen Materialien, Prozessen und Formen. Sie interessiert sich für konkrete Transformationen, wie der Veränderung von Aggregatzuständen, aber auch für Gestaltveränderungen abstrakterer Natur. So ist sie fasziniert davon, wie sich ein Kunstwerk, obwohl äusserlich unverändert, durch den Akt des Betrachtens wandelt, d.h. dass der/die Betrachter/in es mit eigenen Erinnerungen und Assoziationen mitgestaltet. Pini fördert diesen Prozess, indem sie Alltagsdinge mit kleinen Eingriffen verändert. In Untitled (Watermelon) (2016) und Indehiscent (2016) „verwandelt“ sie bekannte Gegenstände in nicht eindeutig lesbare Objekte. Ihre Rätselhaftigkeit macht neugierig und weckt die Fantasie und die entstehende Irritation verdeutlicht, wie kleinste Verschiebungen unser Referenzsystem stören können.

Mit der Ambiguität von Begriffen setzt sich die Künstlerin auch in The cat came back the very next day # 4 (2016) auseinander. Auf den ersten Blick kaum sichtbar, treten kleine weisse Objekte aus den Wänden hervor. Ihre paarweise Anordnung und der Titel legen die Assoziation mit Katzenpfoten nahe. Beim näheren Hinsehen entpuppen sich die Gipsobjekte als Abgüsse von Madeleine-Backformen. Madeleines werden in England Cat paws genannt… und ähnlich wie das Teegebäck in Prousts berühmter Episode schickt Pini den/die Betrachter/in sogleich auf eine Reise im eigenen Kopf.

 

Text: Isabelle Zürcher

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